70 Prozent Recyclingquote bei Kunststoff – und nun?
Kürzlich wurden neue Zahlen zum Kunststoffrecycling in Deutschland veröffentlicht:
Mit rund 70 Prozent werkstofflicher Recyclingquote wurde ein historischer Höchststand erreicht – zwei Prozentpunkte mehr als bei der letzten Erhebung vor drei Jahren.
Ein Fortschritt, der zeigt: Recycling funktioniert. Doch – und das ist die entscheidende Frage – reicht das aus, um eine echte Kreislaufwirtschaft zu erreichen?
Das aktuelle Ergebnis ist ein klarer Beleg dafür, dass die gemeinsamen Anstrengungen wirken. Das Engagement der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie der Kommunen gepaart mit Investitionen der Recycling- und Entsorgungswirtschaft in moderne Sortier- und Recyclingtechnologien haben diesen Erfolg möglich gemacht – Innovationskraft entlang der Wertschöpfungskette.
Gleichzeitig offenbaren die Zahlen strukturelle Grenzen des Systems:
Trotz steigender Quoten geraten Recycling- und Verwertungskapazitäten zunehmend unter Druck – insbesondere hohe Energiepreise und fehlende wirtschaftliche Anreize für den Einsatz von Recyclingmaterialien führen zu einem bedrohlichen Rückgang von Anlagenkapazitäten.
Recycling braucht mehr als Quoten
Wie von den Branchenverbänden vielfach betont, sind hohe Quoten kein Selbstzweck. Was wir brauchen, sind verlässliche Rahmenbedingungen, die Investitionen ermöglichen und Märkte für Rezyklate stärken. Denn nur wenn Rezyklate wirtschaftlich wettbewerbsfähig gegenüber Primärrohstoffen sind, kann die Kreislaufwirtschaft dauerhaft funktionieren.
Besonders das Verpackungsgesetz (VerpackG) muss weiterentwickelt werden:
Es setzt bislang den Schwerpunkt auf Zielvorgaben, vernachlässigt aber die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Recyclinginfrastruktur und setzt keine ausreichenden Anreize für recyclinggerechtes Verpackungsdesign. Das aktuell diskutierte Verpackungsdurchführungsgesetz (VerpackDG), welches das VerpackG ersetzen soll, bietet daher eine große Chance.
Erhalt bestehender effizienter Systeme: Keine zusätzliche Bürokratie durch die Ersetzung erfolgreich funktionierender privatwirtschaftlicher Systeme durch die Einführung neuer Systeme 70 Prozent Recyclingquote sind ein Erfolg, aber kein Selbstläufer. Damit aus Quoten echte Kreisläufe werden, braucht es vernetztes Denken, langfristige Planungssicherheit und politische Rahmenbedingungen, die Innovation fördern statt hemmen.
Zahlenquellen: Umweltbundesamt (UBA), Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR), SPIEGEL-Gruppe, Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE)



