Recyclingquoten in Deutschland 2024 – Fortschritte und Herausforderungen
2024 haben die Recyclingquoten in Deutschland neue Rekorde erreicht – vor allem im Bereich Kunststoffverpackungen. Nichtsdestotrotz bleibt die Kreislaufwirtschaft trotz technischer Fortschritte und verbesserter Sortieranlagen eine Herausforderung. Während Kunststoffe zunehmend erfolgreich wiederverwertet werden, gibt es noch deutliche Defizite bei anderen Materialien. Beispielsweise etwa bei Glas oder Getränkekartons.
Fortschritt bei Kunststoffrecycling
Laut Umweltbundesamt und der zuständigen Überwachungsbehörde Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) lag die Recyclingquote von Kunststoffverpackungen bei ca. 71 Prozent. Somit liegt sie um zwei Prozentpunkte höher als im Vorjahr und hat die EU-Mindestvorgabe von 63 Prozent deutlich übertroffen.
Dieser Erfolg ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen:
• Verbesserte Technik: Moderne Sortier- und Verwertungsanlagen können die Materialien im Vergleich zu früher besser trennen und aufbereiten.
• Recyclingfreundlicheres Verpackungsdesign: Immer mehr Hersteller achten darauf, Verpackungen so zu produzieren, dass sie leichter wieder verwertbar sind, zum Beispiel durch den Einsatz von Monomaterialien.
Defizite bei Glas und Getränkekartons
Weniger zufriedenstellend sind die Zahlen bei Glas und Getränkekartons:
• Glas erreichte 2024 lediglich 82,9 Prozent Recyclingquote.
• Getränkekartons kamen auf 69,5 Prozent.
Für beide gilt eine EU-Vorgabe von 90 Prozent, welche jeweils um einige Prozente verfehlt wurde.
Kritik von Umweltverbänden
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht die Entwicklungen etwas kritischer und findet klare Worte.
„Recycling ist gut, aber Abfallvermeidung und Mehrweg sind besser“,
so Viola Wohlgemuth von der DUH.
Innerhalb Europas liegt Deutschland beim Gesamtmüllaufkommen pro Kopf immer noch auf den oberen Plätzen.
BDE fordert Nachbesserungen des Verpackungsgesetzes
Der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) macht deutlich, dass hohe Recyclingquoten allein keine funktionierende Kreislaufwirtschaft garantieren.
Dr. Andreas Bruckschen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BDE sagt:
„Die aktuellen Zahlen von ZSVR und UBA zweigen eindeutig: Das Verpackungsrecycling in Deutschland funktioniert und hat sich in den vergangenen Jahren messbar weiterentwickelt. Insbesondere bei Kunststoffverpackungen ist mit einer werkstofflichen Recyclingquote von rund 70 Prozent ein historischer Höchsttand erreicht worden.
Das aktuelle Verpackungsgesetz (VerpackG) weist laut BDE strukturelle Defizite auf:
• Primärer Fokus auf Recyclingquoten ohne nötige Berücksichtigung der Absicherung von Infrastrukturen in der Sortierung und dem Recycling.
• Fehlende Anreize für recyclinggerechtes Verpackungsdesign
• Viele Rezyklate sind im realen Markt Geschehen oftmals nicht wettbewerbsfähig
Fazit: Recycling funktioniert – aber Kreislaufwirtschaft braucht mehr
Es braucht funktionierende Märkte für hochwertige Rezyklate, sowie gute Investitionsbedingungen. Auch der Fokus auf Design-for-Recycling muss gesteigert und gefördert werden.
Die Zahlen aus dem Jahr 2024 zeigen, dass Recycling funktioniert. Allerdings nur, wenn die richtige Technologie vorhanden ist und Gesellschaft und Politik gemeinsam daran wirken.
Für die Bürger*innen gilt weiterhin:
Richtiges Trennen, ein bewusster Konsum und das Vermeiden von Abfällen unterstützt das Recycling.
Zahlenquellen: Umweltbundesamt (UBA), Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR), SPIEGEL-Gruppe, Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE)
